Die Frucht des Heiligen Geistes

Derek Prince
Published: 2019
Last Updated: oktober 2026
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Ein christlicher Charakter wächst mit der Zeit, während geistliche Gaben frei geschenkt werden. Dieser Lehrbrief zeigt die Frucht des Geistes als Liebe, die sich in Freude, Frieden, Geduld und anderen göttlichen Eigenschaften ausdrückt. Die von Petrus beschriebenen Wachstumsstufen verdeutlichen, warum Fleiß, Disziplin und Liebe wichtig sind, um Jesus ähnlicher zu werden.
Zum Abschluss unserer Lehrbriefserie „Wer ist der Heilige Geist?“ hoffe ich, dass die Schönheit, das Geheimnis und die Gegenwart des Heiligen Geistes Ihr Leben tief berührt und verwandelt haben.
Lassen Sie uns kurz einen Rückblick auf unseren bisherigen Weg werfen. In unserer einleitenden Diskussion haben wir uns auf den Heiligen Geist als dritte Person der Dreifaltigkeit konzentriert, in der „Einheit“ und „Vielheit“ auf ewig vereint sind. Anschließend haben wir drei Aspekte Seines Wesens untersucht, die unser menschliches Verständnis übersteigen: Er ist ewig, allwissend und allgegenwärtig. In der Geschichte von Abrahams Diener, der eine Braut für Isaak fand, sahen wir den Heiligen Geist als den selbstlosen Diener des Vaters und des Sohnes. Anschließend sprachen wir über Seine Rolle als Geist der Wahrheit, den verheißenen Helfer, der bei uns und in uns wohnt.
Mein vorheriger Lehrbrief setzte sich mit den neun Gaben des Heiligen Geistes auseinander, die uns ausrüsten sollen, damit wir zur Braut Christi werden. In diesem sechsten und letzten Lehrbrief unserer Serie werde ich mich nun der Frucht des Heiligen Geistes zuwenden.
Gaben und Frucht im Vergleich
Zwischen Gaben und Frucht besteht ein grundlegender Unterschied. Das wird ersichtlich, wenn man einen Christbaum mit einem Apfelbaum vergleicht. Ein Christbaum ist mit Geschenken beladen, wobei jedes Geschenk durch eine einmalige Handlung am Baum befestigt wird, um wiederum durch eine einmalige Handlung von dem Baum „empfangen“ zu werden. Die Person, die das Geschenk empfängt, muss weder Zeit noch Mühe dafür aufwenden.
Im Gegensatz dazu erfordert es sowohl Zeit als auch viel Mühe, einen Apfelbaum zu kultivieren. Wenn er Früchte hervorbringen soll, muss er durch verschiedene Entwicklungsstadien gehen, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Zuerst muss der Samen in die Erde gepflanzt werden. Dadurch entsteht eine Wurzel, die nach unten in den Erdboden wächst, während gleichzeitig ein Trieb nach oben wächst und dann durch die Erde bricht. Im Verlauf mehrerer Jahre wird aus dem Schößling schließlich ein Baum, der zur rechten Zeit Blüten hervorbringt. Wenn die Blüten abgefallen sind, beginnt sich die Frucht zu entwickeln.
Wenn der Baum jedoch wirklich stark werden soll, müssen die Blüten bzw. die ersten Früchte in den frühen Erntejahren gepflückt werden, damit sich das Wurzelsystem des Baumes so entwickeln kann, dass es einen mächtigen Baum ernähren kann. Es dauert mehrere Jahre, ehe man die Äpfel essen kann. (Nach dem Gesetz Moses waren dazu mindestens vier Jahre erforderlich, siehe 3. Mose 19,23-25).
Die Entwicklung des Charakters
In einem früheren Lehrbrief habe ich darauf hingewiesen, dass die Gaben des Heiligen Geistes weder verdient noch wieder weggenommen werden können. Das gehört zum Wesen einer Gabe. Die Frucht des Heiligen Geistes hingegen betrifft unseren Charakter und muss deshalb gepflegt werden, wie die Äpfel an dem Apfelbaum in unserem Beispiel. Jesus sagte: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,16). Unser Charakter, nicht unsere Gaben, zeigt der Welt, die uns beobachtet, wer wir wirklich sind.
Früchte kommen nur durch einen Samen zustande, zusätzliche Samen wiederum können nur von Früchten hervorgebracht werden. Am Anfang der Schöpfung hatte Gott festgelegt, dass jeder „Fruchtbaum Früchte hervorbringen soll nach seiner Art, in denen ihr Same ist“ (1. Mose 1,12). Darauf gründet sich ein wichtiges geistliches Prinzip: Christen, die in ihrem eigenen Leben keine geistliche Frucht hervorbringen, verfügen über keine Samen, die sie in das Leben anderer hineinsäen können.
Die neun verschiedenen Formen der geistlichen Frucht werden in Gal. 5,22-23 aufgezählt:
Liebe, Freude, Friede, Langmut (Geduld), Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.
Dabei wird Liebe – die wichtigste Form von Frucht – an erster Stelle aufgeführt. Die im Folgenden genannten Formen lassen sich als verschiedene Ausdrucksformen verstehen, in denen sich die Frucht der Liebe manifestiert:
- Freude ist Liebe, die sich freut
- Friede ist Liebe, die in sich ruht
- Langmut ist Liebe, die geduldig ist
- Freundlichkeit ist Liebe, die anderen dient
- Güte ist Liebe, die das Wohl anderer anstrebt
- Treue ist Liebe, die hält, was sie verspricht
- Sanftmut ist Liebe, die sich um die Wunden anderer kümmert
- Enthaltsamkeit ist Liebe, die unter Kontrolle ist
Man könnte die Frucht des Geistes auch als verschiedene Ausdrucksformen beschreiben, in denen sich die Charakterzüge Jesu manifestieren durch diejenigen, in denen Er wohnt. Wenn alle Formen dieser Frucht des Geistes voll entwickelt sind, ist es so, als wenn Jesus durch den Heiligen Geist in Seinen Jüngern Fleisch geworden ist. Das sollte das Ziel jedes Christen sein.
Wie können wir nun diese Frucht in unserem Leben kultivieren?
Sieben Phasen der geistlichen Entwicklung
In 2. Petr. 1,5-7 listet der Apostel sieben aufeinanderfolgende Phasen in der Entwicklung eines vollständig geformten christlichen Charakters:
„... eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit [rev. Lutherübers.: Mäßigkeit], in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren [rev. LUT.: Geduld], in dem Ausharren aber die Gottseligkeit [rev. LUT.: Frömmigkeit], in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe [rev. LUT.: brüderliche Liebe], in der Bruderliebe aber die Liebe [rev. LUT.: Die Liebe zu allen Menschen]!“
Petrus beginnt mit der Warnung, dass man in diesem Prozess nur durch Fleiß erfolgreich bestehen kann. Der christliche Charakter kann sich nicht wirklich erfolgreich entwickeln ohne Fleiß oder harte Arbeit. Der von Petrus beschriebene Prozess lässt sich mit dem Entwicklungsprozess vergleichen, durch den aus einem Apfelkern ein reifer Apfel entsteht. Der Same ist Gottes Wort, gepflanzt ins menschliche Herz, wodurch Glauben – der Ausgangspunkt, ohne den nichts entsteht – zustande kommt. Der Glauben wiederum bringt sieben aufeinanderfolgende Entwicklungsphasen hervor.
Die erste Phase wird unterschiedlich mit „Tugend“ (2. Petr. 1,5) oder „moralische Qualität/Vorzüglichkeit“ (laut engl. NAS-Übersetzung) übersetzt. In der griechischen Säkularsprache wurde dieses Wort ursprünglich gebraucht, um hervorragende Qualität in jedem Bereich des Lebens auszudrücken – sei es beim Formen eines Tongefäßes, beim Steuern eines Bootes oder beim Flötespielen. Hier in dieser Schriftstelle wird mit diesem Wort jeder Aspekt und Bereich des Lebens angesprochen.
Ein Lehrer, der den Herrn angenommen hat, sollte ein ausgezeichneter Lehrer werden. Eine Krankenschwester sollte eine hervorragende Krankenschwester werden, genauso wie ein christlicher Geschäftsmann sich in seinem Geschäftsfeld auszeichnen sollte. Im christlichen Leben hat Nachlässigkeit oder Faulheit nichts zu suchen, ganz gleich, um welchen Bereich es sich handelt.
Die zweite Phase der geistlichen Entwicklung ist Erkenntnis. Natürlich gibt es viele verschiedene Arten von Erkenntnis. In der Schrift wird eine praktische Erkenntnis hervorgehoben, nicht eine bloße Theorie. Hierbei handelt es sich um eine Art von Wissen, das funktioniert. Da ich mich mit spekulativer Philosophie befasst hatte, ehe ich zum Herrn kam, beeindruckte mich dieser Aspekt der Bibel am meisten. Die Bibel war so enorm praktisch!
Die wichtigste Form der Erkenntnis im christlichen Leben ist die Erkenntnis des in der Bibel offenbarten Willens Gottes. Dies ist ebenfalls ausgesprochen praktisch und macht das regelmäßige, systematische Studium der gesamten Bibel erforderlich.
„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig [im Engl.: vollständig, komplett] sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.“ (2. Tim. 3,16-17).
Ich war schockiert, feststellen zu müssen, dass viele Menschen, die sich als ernsthafte Christen bezeichnen würden, noch kein einziges Mal die gesamte Bibel durchgelesen haben. Damit legen sich diese Menschen eigenmächtig Schranken auf für ihre geistliche Entwicklung.
Nach der Erkenntnis kommt Enthaltsamkeit (Neue LUT: Mäßigkeit) – auch Selbstdisziplin genannt (2. Tim. 1,7; engl. NIV-Übersetz.). Das ist das Entwicklungsstadium, in dem ein Christ unter Beweis stellen muss, ein wahrer Jünger zu sein – d. h. eine Person, die sich in Zucht (unter Kontrolle) hält – und nicht nur ein Gemeindemitglied.
Diese Disziplin muss sich auf jeden Bereich unserer Persönlichkeit erstrecken – auf unsere Gefühle, unsere Einstellungen, unsere Interessen, unsere Denkweise. Sie muss nicht nur unsere eigenen Handlungen bestimmen, sondern auch – was noch weitaus wichtiger ist – unsere Reaktionen.
Erst wenn wir diese Art von Disziplin entwickelt haben, gelangen wir auf die nächste Stufe unserer geistlichen Entwicklung – die des Ausharrens – die uns befähigt, die verschiedenen Tests und Bewährungsproben zu bestehen, die unweigerlich jede Schwachstelle und jeden undisziplinierten Bereich unserer Persönlichkeit ans Licht bringen. Einer der Hauptgründe, weshalb manche Christen nie über einen gewissen Punkt ihrer geistlichen Entwicklung hinauskommen, besteht darin, dass sie diese beiden Voraussetzungen der Selbstdisziplin und des Ausharrens nicht erfüllen.
Die drei Endphasen
In den drei übrigen Stadien unserer geistlichen Entwicklung kommt die Schönheit des wahren christlichen Charakters zum Vorschein. Gottseligkeit (Neue Lutherübersetz.: Frömmigkeit) ist das Charaktermerkmal eines Menschen, dessen Leben sich auf Gott ausrichtet – ein Mensch, der ein Gefäß für die Gegenwart Gottes geworden ist. Wo immer ein solcher Mensch auch hingeht, ist die Atmosphäre um ihn herum durchdrungen von einem Aroma, das einerseits sanft, andrerseits jedoch absolut einzigartig und unwiderstehlich ist. Dabei muss es nicht unbedingt um Predigen oder die Ausübung sonstiger religiöser Aktivitäten gehen – dennoch werden sich die Menschen um ihn herum merkwürdigerweise auf einmal der Ewigkeit bewusst.
So berichtet der verstorbene britische Evangelist Smith Wigglesworth beispielsweise von einer Begebenheit, die verdeutlicht, welche Wirkung eine göttliche Gegenwart inmitten einer nicht-religiösen Atmosphäre ausüben kann: Nach einem kurzen stillen Gebet nahm Smith Wigglesworth in einem Zugabteil Platz. Obwohl er kein Wort sagte, rief der Mann, der ihm gegenüber saß – ein völliger Fremder – plötzlich aus: „Ihre Gegenwart überführt mich der Sünde!“ Daraufhin konnte Smith ihn dann zum Herrn führen.
Die beiden letzten Entwicklungsphasen stellen zwei verschiedene Arten von Liebe dar. Die erste – Bruderliebe (Neue Lutherübersetz.: brüderliche Liebe) – beschreibt die Art und Weise, wie Gläubige in Jesus Christus sich gegenüber ihren Mitgläubigen, d. h. ihren Brüdern und Schwestern im Herrn, verhalten sollten. Als ich anfing, mich mit dieser Liste der sieben geistlichen Entwicklungsphasen zu beschäftigen, war ich zunächst überrascht darüber, dass „brüderliche Liebe“ – die Liebe, die Christen füreinander empfinden sollten – die vorletzte Stufe dieser Entwicklung darstellte. Dann wurde ich mir jedoch bewusst, dass diese Einstufung der Bibel sehr realistisch ist. Sie liefert keine sentimentale, religiöse Beschreibung über den Umgang der Christen miteinander. Nach meinen mehr als 50-jährigen, engen Kontakten mit Christen verschiedener Herkunft kann ich eine Aussage machen, die vielleicht manche schockieren mag: Es fällt den Christen nicht leicht, einander zu lieben.
Zwei Jahrtausende kirchlicher Geschichte bestätigen dies zur Genüge: Es gab kaum ein Jahrhundert, das nicht von bitteren Kämpfen und Auseinandersetzungen – häufig sogar von offenem Hass – zwischen rivalisierenden christlichen Gruppen gekennzeichnet war, die alle mehrmals den Anspruch erhoben, die „wahre Kirche“ darzustellen. Die Tatsache, dass ein Mensch Buße für seine Sünden getan und Errettung durch Jesus Christus in Anspruch genommen hat, bedeutet nicht, dass sein gesamter Charakter dadurch eine sofortige Transformation erfuhr. Sicherlich wurde damit ein ungemein wichtiger Prozess der Veränderung in die Wege geleitet, aber diese Veränderung kann Jahre dauern, ehe sie alle Bereiche des menschlichen Charakters erfasst.
Als David für seinen Kampf gegen Goliath glatte Kieselsteine benötigte, die in seine Schleuder passten, suchte er danach im Tal – dem niedrigen Ort der Demut. Dort fand er in einem Bach genau die richtigen Steine (1. Sam 17,40). Was hatte die Steine glatt gemacht? Zwei verschiedene Arten von Druck: Erstens, das Wasser, das über sie floss; zweitens, ihr ständiges Reiben aneinander.
Das ist ein Bild dafür, wie der christliche Charakter geformt wird. Das geschieht erstens durch das kontinuierliche „Reinigen durch das Wasserbad des Wortes“ (Eph. 5,26). Zweitens, wenn in unseren persönlichen Beziehungen gewissermaßen „ein Stein gegen den anderen reibt“, werden unsere „beziehungsmäßigen Unebenheiten“ allmählich abgeschliffen, bis unsere Beziehungen schließlich völlig „geglättet“ sind.
Es ist ein Merkmal geistlicher Reife, unsere Geschwister im Herrn aufrichtig zu lieben. Wir sind angehalten sie zu lieben – nicht nur um ihrer selbst willen, sondern auf Grund dessen, was sie Jesus bedeuten, der Sein Blut für jeden Einzelnen von ihnen vergossen hat.
Die letzte Phase unserer geistlichen Entwicklung – „Agape“-Liebe – stellt die vollreife Frucht des christlichen Charakters dar. Dabei geht es nicht mehr nur darum, unsere Glaubensgeschwister zu lieben. Es ist Gottes eigene Liebe zu den Undankbaren und Unheiligen. Diese Liebe bewegt uns dazu, dem Aufruf zu folgen: „Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen“ (Matthäus 5,44).
Diese Liebe zeigte Jesus am Kreuz, als Er für diejenigen betete, die Ihn kreuzigten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34). Es ist dieselbe Liebe, die Stephanus dazu bewegte, für diejenigen zu beten, die ihn steinigten: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apostelgeschichte 7,60).
Wenn ich das biblische Bild der voll entwickelten Frucht des Heiligen Geistes betrachte, macht mich das demütig und spornt mich zugleich an. Demütig, weil ich selbst noch einen so weiten Weg vor mir habe. Es spornt mich an, weil ich einen Einblick in etwas gewonnen habe, das schöner ist als alles, was diese Welt zu bieten hat.
Zum Abschluss dieser Serie über den Heiligen Geist bete ich, dass Ihr Leben tief berührt worden ist. Ich hoffe, Sie haben einen Eindruck davon gewonnen, wie Ihr eigenes Leben aussehen könnte: erfüllt vom Heiligen Geist und reich an Frucht, sodass der Duft der Heiligkeit die Atmosphäre um Sie herum durchdringt. Lassen Sie uns zum Abschluss dieser Serie die kraftvollen Worte des Paulus aus Philipper 3,13–14 aussprechen:
Ich halte mich selbst nicht dafür, dass ich es ergriffen habe; eines aber [tue ich]: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

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